“making of Clochard” - von Günther Eichler

 

Mit Kordanzug und Gitarre und nur mit den allernötigsten Utensilien im Rucksack machte ich mich als Möchtegern-Hippie auf den Weg nach Indien. Doch der Strom der Straßen spülte mich nach Paris. Während eines Straßenkonzertes tänzelte ein Clochard mit müden Schritten auf mich zu, stellte einen Plastikbecher vor mir ab, schüttete aus einer großen bauchigen Flasche Rotwein hinein und schlenderte wieder zurück auf seine Parkbank. Ich habe nie wieder einen Menschen so unglaublich gelassen und faul auf einer Parkbank sitzen sehen. So lernten wir uns kennen. Zusammen wanderten oder trampten wir nach Bordeaux. Dort in den edelsten Weinbergen half er jedes Jahr bei der Weinernte. Es gab die  beste Verpflegung und gute Bezahlung für die Arbeit. Aus Nordspanien kamen  Zigeuner um auch von diesen Vorzügen zu profitieren. Es wurde jede Nacht gelacht und getanzt und ich lernte von den Flamenco-Gitarristen manche  Tricks. Doch der verwöhnte Stubenhocker vertrug das freie Leben nicht so gut. Heimweh und Krankheiten setzten mir zu und ich musste wieder nach Hause. Das Lied: "Der Clochard" nahm ich mit. Als ich ein Jahr später meinen  betagten Freund in Paris besuchen wollte, saß ein anderer Clochard auf der  Parkbank. Sein Vorgänger war auf diesem Platz im Winter sanft eingeschlafen.  Ich schrieb den letzten Vers des Lieder. Nun war es fertig. Doch es brauchte noch 15 Jahre, bis es Hunderte von Menschen Uwe Janssen nachsingen konnten. Als Gitarrenlehrer lehrte ich Uwe einen schnellen Griffwechsel, der  eben in diesem Lied vorkam. Er spielt es mit einem für mich unbegreifbaren  Erfolg. Als ich es zum ersten Mal live hörte und die große Menschenmenge mitsingen hörte, war ich zu Tränen gerührt. Mein Freund Clochard,- er hat  es verdient!

 

Danke Uwe                                                                                                                                            Dein Freund Günther

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